Jedes Herz liebt Bewegung
01 Februar 2018
Interview mit Prof. Dr. med. Christophe Wyss

Prof. Dr. med. Christophe Wyss – Interventionelle Kardiologie – HerzKlinik Hirslanden
Viele Faktoren beeinflussen die Herzgesundheit. Kardiologen sind sich einig: Sport und Bewegung tun dem gesunden und dem kranken Herz gleichermassen gut. Wie so oft kommt es aber auf die richtige Dosierung an.
Wer sich ausreichend bewegt, verhindert Folgeschäden, die für das Herz gefährlich werden können. «Übergewicht, Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin sind grosse Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen wie Verstopfungen der Herzkranzarterien und Herzinfarkte», erklärt Kardiologe Christophe Wyss von der Herzklinik Hirslanden. Alle vier Risikofaktoren lassen sich durch Bewegung sowie eine gesunde Ernährung und Nichtrauchen positiv beeinflussen.
Wie viel Bewegung ist genug für das Herz?
Doch wie intensiv und wie oft soll man sich bewegen, wenn man weder Supersportlerin noch Trainingsfanatiker ist? Um das Risiko für das Herz-Kreislauf-System zu senken und die Herzgesundheit zu erhalten, empfiehlt die europäische Gesellschaft für Kardiologie 150 Minuten moderates Training oder alternativ 75 Minuten intensives Training pro Woche. Moderat heisst zum Beispiel: Tanzen, zügiges Gehen, Staubsaugen, Rasenmähen oder Golfen. Als intensive Aktivitäten gelten Joggen, Fahrrad-fahren, Längen schwimmen oder auch ein Einzel auf dem Tennisplatz. Was nach wenig klingt, wird im Alltag schnell zur Herausforderung. «30 Minuten moderate aerobe Bewegung an fünf Tagen pro Woche – das ist für viele kaum machbar», bestätigt Wyss. Deshalb empfiehlt er Sportmuffeln, so viel Bewegung wie möglich in den Alltag einzubauen. «Treppe statt Lift» oder auch «eine Station früher aussteigen» seien bewährte Klassiker.
Nicht von null auf hundert
Wer mit 50 plötzlich auf die Idee kommt, sich für den Marathon in New York anzumelden, weil der Körper in den letzten zehn Jahren zu kurz gekommen ist, geht ein Risiko ein. «Hohe Belastungen aus dem Stand sind für einen untrainierten Körper gefährlich», stellt Wyss klar. Der Herzinfarktpatient ist aber bei-leibe nicht immer der rauchende, übergewichtige Diabetiker im fortgeschrittenen Alter. Eine harte körperliche Anstrengung kann auch bei gut trainierten Sportlern einen Herzinfarkt pro-vozieren. Zum Beispiel wenn unentdeckte angeborene Fehlverläufe von Herzkranzarterien oder unentdeckte Herzmuskelerkrankungen bestehen. «40 Prozent der Herzinfarkte sind auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen», erläutert Christophe Wyss. Und über die genetischen Ursachen weiss die Kardiologie trotz intensiver Forschung bis heute nur wenig.
Das individuelle Risikoprofil kennen
Das individuelle Herzinfarktrisiko lässt sich in einer Herz-Kreis-lauf-Beratung untersuchen. Dabei gleicht der Kardiologe Blut-druck, Cholesterinprofil, Familiengeschichte, Raucherstatus und weitere Faktoren mit umfassenden Datenbanken ab und ermittelt so ein statistisches 10-Jahre-Risikoprofil. «Diese Profile sind statistische Wahrscheinlichkeiten, keine absoluten Prognosen», betont Wyss, «dennoch können sie für Männer ab 40 und für Frauen ab 50 sinnvoll sein.»
Wie weiter nach einem Herzinfarkt?
Während Ärzte den Herzpatienten früher automatisch Ruhe und Schonung verordneten, weiss man heute: Herzinfarkt und Sport schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil. «Bewegung vermindert das Rückfallrisiko, verkürzt die Genesungszeit und fördert die Gesundheit ganzheitlich», betont Wyss. Das Training sollte aber unter Anleitung und in Absprache mit dem behandelnden Arzt stattfinden, denn die Art und Ausprägung des Herzinfarktes oder des Herzleidens bestimmt die Intensität. Eine sehr gute Wirkung nach einem Herzinfarkt zeigen auch die sogenannten Herzgruppen (Verzeichnis siehe swissheartgroups.ch). Diese Gruppentrainings sind laut Wyss aber nicht nur nach einem Infarkt sinnvoll, sondern gerade für Menschen mit einem hohen Risikoprofil auch als wirksame Vorsorge.
(Text-Quelle: Clau Isenring)
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